Donnerstag, 13. August 2009

Systemische Unternehmensbewertung, Teil 1


"Life is painting a picture, not doing a sum" (Oliver Wendell Holmes)



Der ressourcenbasierte Ansatz der Entrepreneurshipforschung beruht auf den Überlegungen von PENROSE (The theory of the growth of the firm, Oxford 1959) und thematisiert den Aufbau, die Erhaltung sowie die Nutzung unterschiedlicher unternehmungsbezogener Ressourcen, aus denen Wettbewerbsvorteile resultieren. Unternehmen werden dabei als Bündel von Ressourcen verstanden, wobei der Begriff der Ressourcen relativ weit aufgefasst werden kann.


In den letzten Jahren haben insbesondere die Möglichkeiten des Internets dafür gesorgt, dass die globalen Faktormärkte hinsichtlich Preis, Qualität und Verfügbarkeit der Faktoren transparent geworden sind. Dies führt dazu, dass branchengleiche Unternehmen qualitativ identische Ressourcen nutzen können, soweit es sich um reproduzierbare Ressourcen handelt. Infolgedessen kann durch derartige Ressourcen kein Wettbewerbsvorteil mehr erlangt werden.


Wettbewerbsvorteile hängen ausschließlich von nicht - reproduzierbaren, strategisch erfolgsrelevanten, Ressourcen ab:


1. Humankapital,


2. Strukturkapital,


3. Beziehungskapital.


In einem interdisziplinären Sinne kann man diese Ressourcen auch zusammenfassend als Sozialkapital bezeichnen.


Eine Betrachtung des Sozialkapitals schafft zumeist auch vollkommen neue Erkenntnisse über Ursachen und Wirkungen der vielfältigen Vernetzungen selbst kleiner und mittelgroßer Unternehmungen mit ihrer Umwelt.


Es stellt sich also die Frage, wie die Ressource Sozialkapital im Rahmen einer systemischen Betrachtung den Unternehmenswert beeinflusst und welche Methoden zur Beantwortung dieser Frage zur Verfügung stehen bzw. entwickelt werden müssen.


Bereits im Januar 2007 hat der Arbeitskreis Wissensbilanz des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie seine Studie "Wissensbilanz - Made in Germany: Auswirkungen eines Berichts über Intellektuelles Kapital auf die Unternehmensbewertung" vorgestellt.


Diese Studie kommt zu folgendem Fazit:


Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Einschätzung eines Unternehmens auf Basis eines Berichts über Intellektuelles Kapital zusätzlich zu traditionellen Berichtsinstrumenten zu deutlich präziseren Ergebnissen führen kann. Während die Beurteilung ohne den Bericht vergleichsweise heterogen ausfällt, ist mit seinem Einsatz eine einheitlichere Urteilsfindung festzustellen. Diese mögliche Schlussfolgerung wird durch die geringere Streuung (Messung der Standardabweichung) der Bewertungsergebnisse bei den Gruppen mit einem Bericht über Intellektuelles Kapital gestützt. Allerdings muss diese Beobachtung noch empirisch unter Verwendung einer größeren Stichprobe untermauert werden.


Bei der Beurteilung der Zukunftsaussichten der Unternehmen A und B durch die Finanzexperten, fällt die Bewertung bei Kenntnis des Berichts über intellektuelles Kapital ebenfalls homogener aus, als ohne den Bericht. Die Einschätzungen auf Basis des zusätzlichen Berichts, weisen die gleiche Tendenz auf, wie bei der Einschätzung nur auf Basis des Prüfungsberichts zum Jahresabschluss. Allerdings ist die Tendenz bei Kenntnis des Berichts über Intellektuelles Kapital deutlicher. Die Zukunftsaussichten von Unternehmen A werden basierend auf dem Prüfungsbericht eher als schlecht bewertet und mit dem Bericht noch schlechter. Bei Unternehmen B führt der zusätzliche Bericht zu einer noch besseren Bewertung der Zukunftsaussichten, im Vergleich zur guten Bewertung der Zukunftsaussichten ohne den Bericht über Intellektuelles Kapital.


Aus den hier dargestellten Ergebnissen lassen sich auf Grund des geringen Stichprobenumfangs keine allgemeinen Gesetzmäßigkeiten ableiten. Allerdings liefern sie qualitativ fundierte Hinweise dafür, wie die Bereitstellung eines Berichts über Intellektuelles Kapital die Unternehmensbewertung durch Finanzexperten beeinflusst. Daraus können Thesen generiert werden, die im Rahmen von weitergehenden Untersuchungen mit repräsentativen Stichprobenumfängen überprüft werden sollten.


These 1:


Die Bereitstellung eines Berichts über Intellektuelles Kapital führt zu homogeneren Bewertungsurteilen bei der Unternehmensbewertung, bzw. erlaubt eine präzisere Urteilsfindung als ohne Bericht.


These 2:


Die Bereitstellung eines Berichts über Intellektuelles Kapital verstärkt die Tendenz der Bewertungsurteile auf Basis herkömmlicher Berichtsinstrumente.

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